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Der ultimative Radsport-Knigge von Carsten Leu 22.02.09
www.rg-uni-hamburg.de
Präambel
- Rasierte Beine: Der
Klassiker - allen bekannt, oft nicht beachtet. Alle scheinbar
praktischen Argumente (bessere Wundheilung bei Schürfwunden etc.) die
dafür genannt werden, sind Humbug, und dienen nur der Rechtfertigung vor
Außenstehenden.
Die Wahrheit ist: Radsport ist gleichbedeutend mit rasierten Beinen!!! Wer
sich von seinen Naturhaarleggins nicht trennen möchte, braucht ab hier
nicht weiter lesen, sondern soll weiter in der Kreisklasse 8 mit
Gleichgesinnten einem runden Leder hinterherhetzen!
Bekleidung
- Trikotgröße: Du hast Größe "M"?
Also kaufe Größe "S"! Komfortabel kannst Du Deinen Pyjama
tragen! Radsportkleidung ist stets in körpernahem Schnitt zu wählen! Das
zieht sich logischerweise wie ein roter Faden durch alle Bekleidungslagen
(Trikot, Weste, Windjacke...). Leichter als durch eine sich im Wind
aufblähende Jacke kann man sich kaum als Radsportlaie outen!
- Unpassende Farbkombinationen
von Trikot und Hose: Trikot und Hose müssen zusammen passen!!! Sollte
keine farblich zum Trikot passende Hose verfügbar sein, ist schwarz zu
tragen. In Ausnahmefällen (und bei NICHT färbendem Sattel) dürfen weiße
Hosen getragen werden.
- Gelbe Regen- und Windjacken: Gehen NICHT! Sie gehen
doppelt nicht, wenn sie drei Nummern zu groß sind!! Enger Schnitt und
passende Farben zum Teamdesign sind anzustreben. Durchsichtige Jacken sind
gern gesehen und freuen die Sponsoren! Die Signalwirkung von Gelb als
Sicherheitsplus bei schlechtem Wetter zu verkaufen, ist ein müdes Argument
für denjenigen, der sich seinen Fehlkauf im
"Nicht-Radsport-Fachgeschäft" schönreden will.
An dieser Stelle sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass (meist
gelbe) Wertungstrikots großer Rundfahrten nichts auf den Schulter seriöser
Radsportarmateure zu suchen haben.
- Farbe der Radsocken: Radsocken sind grundsätzlich
weiß. Erlaubt sind Stickereien passend zu Trikot und Hose, bzw. jede
X-beliebige Farbe, wenn sie mit Trikot UND Hose korrespondiert. Braune
Socken werden in Stollenschuhen am Millerntor getragen - und
nicht auf dem Rad!
- Länge der Radsocken: Auch wenn man in
Kniestrümpfen siebenmal "das schwerste Rennen der Welt" gewinnen
kann, gilt hier dennoch die unumstößliche Regel: Die Radsportsocke endet
knapp über dem Knöchel und keinen Fingerbreit höher!!!
Selbstverständlich ist es nicht akzeptabel einen herkömmlichen
Sportstrumpf durch umschlagen des Bündchens in eine Radsportsocke zu
verwandeln! Genauso wenig sind Fußlinge geeignet, eine gute Figur auf dem
Rad abzugeben.
- Kopfbedeckung: Heute trägt man Helm! Punkt
aus! Mit dem klassischen Radkäppi ist man bestens aufgestellt, wenn man es
unter dem Helm trägt. Kopftücher (sog. "Bandanas") zeugen in der
Regel von keinem guten Stil, und dürfen nur von Charakterköpfen wie il Pirata
getragen werden. Winterstrickmützen sind lässig, ersetzen aber NICHT den
Helm!
- Helmüberzieher: Das darf nur Helmut
(Fahrrad-Seiten) Niemeier in Würde tragen! Ansonsten: Geht GAR NICHT!
- Sonnenbrille: Ist in erster Linie nach
gefälligem Aussehen und erst in zweiter Linie nach Sitz und Funktionalität
zu wählen. Hier sind viele Varianten (neumodisch oder old-school) denkbar.
Wichtig ist, dass sie ins Gesamtbild passen!
- Handschuhe: Dürfen im Winter oder
bestenfalls bei Rennen getragen werden. Der Ältere eines Radsport
treibenden Brüderpaares aus unserem Nachbarland zeigt eindrucksvoll, dass
man auch anspruchsvolle Rennen ohne Handschuhe gewinnen kann. Handschuhe
mit UV-Lichtdurchlässigem Handrücken sind ein schlechter Gag der
Bekleidungsindustrie. Im Sommer bleiben die Handschuhe im Schrank!!!
- Trinkrucksäcke: Eine grausame, stilbrechende
Erfindung, die im Rennradsport dank der Flüssigkeitsaufnahme via Bidon
nichts verloren hat!
Der Radsportler
- Eincremen bei Sonnenschein: Ist unbedingt erlaubt, wenn
man nicht wie ein Tommy am Strand des 17. deutschen Bundeslandes aussehen
will. Zu beachten ist: nach dem eincremen Hände waschen! (die Handrücken
werden idealerweise erst gar nicht eingerieben)
- Akkurater Übergang von
gebräunter zu weißer Haut: Ein möglichst kontrastreicher Übergang ist
anzustreben! Kleine Tricks (näheres ist beim Verfasser zu erfragen) um die
Hosen "auf Naht" zu fixieren, sind zulässig! Wer sich berufen
fühlt, unter der Höhensonne der typischen Radfahrerbräune entgegen zu
wirken, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er nicht besser an den
nächsten Körper-Kult-Meisterschaften im Gewerbegebiet Botrop-Süd
teilnehmen will. Übrigens: Wer sich umgekehrt in Radklamotten unter die
künstliche Sonne legt, sollte alles (aber auch wirklich alles) dafür tun, dass
das niemand mitbekommt! Geht GAR NICHT!!!
- Eingeölte Beine: Absolut unverzichtbar ...im
Wettkampf!!! Der Duft von Aufwärmöl in der Luft verspricht dem geneigten
Radsportkenner einen unmittelbar bevorstehenden Wettstreit. Wer im
Training oder bei der gemütlichen Sonntagsausfahrt mit derart präparierten
Beinen unterwegs ist, kennt anscheinend nicht die ausgezeichnete
Funktionalität von Beinlingen und ist vermutlich auch jemand, der sich
freut, wenn er ältere Rad fahrende Herrschaften auf dem Weg zum Bäcker
verheizt!
Verhalten auf und neben dem
Rad
- Oberlenker-Griffposition: Die Daumen liegen AUF dem
Lenker! "Daumen unten" zeugt von nichts anderem als Angst und
nicht vorhandener Coolness. Sowohl beim entspannten Kurbeln in der Gruppe,
als auch beim Fahren am Berg ist dies die bevorzugte Lenkerhaltung.
Ausnahmen sind denkbar, wenn man beispielsweise im Trikot des belgischen
Meisters solo dem Ziel eines belgischen Radklassikers in Meerbeke entgegen
fliegt.
- Kontrolle und Korrektur der
Sitzposition:
Großflächiger Schaufensterscheiben sollten stets zur Kontrolle der eigenen
Sitzposition und ggfs. zur Korrektur derselben genutzt werden, wo immer
sich die Gelegenheit dazu bietet. Als Rennradpopper verschrien zu sein ist
weniger bedenklich, als Scheiße auf dem Rad zu sitzen!
- Schotter- und
Kopfsteinpflasterpassagen: Es wird mit unverändertem Tempo weitergefahren und
keine Mine verzogen. Anhalten, Schieben, auf den Radweg oder Bürgersteig
wechseln oder gar Umdrehen geht GAR NICHT!!!!
- Dreck von den Decken
abstreifen:
Nach der Passage von unsauberem Straßengrund sind die Vorder- und
Hinterraddecke während der Fahrt mit gestrecktem Zeige- und Mittelfinger
abzustreifen. Der Sinn bzw. der Erfolg dieser Maßnahme ist mehr als
zweifelhaft, aber als Ritual unerlässlich. Es ist "alte Schule"
und sieht lässig aus!
- Anzeigen von
Fahrbahnunebenheiten: Schlaglöcher und Gully-Deckel sind NUR DANN
anzuzeigen, wenn sie beim überfahren das Rad ZERSTÖREN würden. Durch
hektisches deuten nach links und rechts gen Straßenbelag zeigt man seinen
Begleitern lediglich, dass man schlichtweg keine Ahnung hat, was
vernünftige (Lauf-)Räder wegzustecken imstande sind, bzw. das man die
Hosen voll hat. Bei durchgehend schlechtem Straßenbelag gilt es, keine
Mine zu verziehen und entspannt weiter zu treten!
- Überfahren von Bahnschienen: Cool bleiben!!!!
Bahnschienen werden nicht angezeigt, wenn sie im rechten Winkel zu Straße
verlaufen. Ansonsten: Anzeigen ist angebracht - Lenker festhalten - cool
bleiben - weiter treten!! Überspringen kann sinnvoll sein. "Wellen
fahren" ist nur in absoluten Extremsituationen und NICHT mitten in
der Gruppe erlaubt!
- "Rad-wegstell-Fehler": Räder lehnen NICHT mit dem
Oberrohr an Pfählen oder Bäumen, und liegen auch nicht in Büschen! Jeder,
der solch ein böses Foul begeht, hat offensichtlich noch nie etwas von
(italienischem) Nasslack gehört! Das Hinterrad ist der ideale
"Anstellpunkt" (ACHTUNG: das Schaltwerk bleibt frei!).
Findet man keinen geeignet Parkplatz, ist der unselige Ort umgehend zu
verlassen, und der Cafe con leche im nächsten Cafe einzunehmen!
- "Rad-wegstell-Fehler
Nr.2":
Beim Wasserlassen wird NICHT vom Sportgerät abgestiegen! Wer dem Ruf der
Natur folgt, hat das Oberrohr nach wie vor zwischen den Beinen, klickt auf
einer Seite aus, dreht sich lässig ein wenig zur Seite und lässt dann
"freien Lauf"! Eigentlich überflüssig zu erwähnen, da es eine
Selbstverständlichkeit sein sollte: Beim Pinkeln ist die Brille oben!
Natürlich gilt der Rad-wegstell-Fehler Nr.2 nicht für Radsport treibende
Damen!
Das Sportgerät
- Die
Drei-Etagen-Radsatteltasche: Das "Alle-Eventualitäten-Überlebensset"
bleibt beim Rennradfahren zu Hause! Kleine Schlauch- oder Tooltäschchen
sind im Training erlaubt.
- Ventilmuttern und -kappen: Oft werden vermeintlich
praktische Gründe sowohl für, als auch gegen ihre Existenz angeführt. Das
sind jedoch alles unsinnige Theorien technikverliebter Ausdiskutierer. Die
Wahrheit ist: sie sehen Scheiße aus und gehören nicht an das sportliche
Rad!
- Rechtschaffenheitsbekundungen: Aufkleber mit
durchgestrichenen Spritzen und Pillen auf dem Rahmen (oder gar
entsprechende Trikots) sind ein absolutes Tabu für den seriösen
Radsportler. Das Aufkleberfoul begehen ausschließlich ARD/ZDF-hörige
Radsportlaien und die Leser Europas größter Radsportzeitschrift, die
tatsächlich dem Irrglauben folgen, dass sie auf diese armselige Weise dem
Radsport dienen. Wer gegen Spritzen und Pillen im Radsport ist, klebt sie
sich auch nicht auf´s Rad, sondern lebt und trainiert entsprechend.
- Anbauteile am Sportgerät: Der ambitionierte Radsportler
fährt an Lenker und Sattelstütze keine Haltesysteme für
Beleuchtungsinstrumente spazieren! Dies gilt selbstredend auch für fest
montierte Luftpumpen und Schutzbleche. Dergleichen ist lediglich am
Wintertrainingsrad zulässig. Gegebenfalls sind im Training sog.
Klickschutzbleche für das Hinterrad zulässig.
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